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Leidenschaft Motorradsport


Ein 52 Jähriger Familienvater aus Göttingen jagt regelmässig sein Rennmotorrad über die Rennstrecken von Europa. Seit 2014 fährt er bei der Suzuki GSX-R750 Challenge mit. Am 25.-27.09.2015 war die Finale Veranstaltung, für mein Projekt „Leidenschaft“ habe ich Schorsi das ganze Wochenende begleitet um seine Leidenschaft mit meiner Kamera einzufangen.

 

Zu viel Power für die Strasse

Was haben Motorräder in einem Verkaufsraum für Küchen zu suchen? Das fragen sich wahrscheinlich so einige Kunden und Passanten, die am Laden von Georg Günther vorbeikommen. Dazu kommt, dass diese Rennmaschinen nicht aussehen, als wenn man sie im normalen Straßenverkehr bewegen dürfte – keine Spiegel, Blinker oder sonstige Lichter sind zu erkennen. Aus gutem Grund allerdings, denn Schorsi, wie Georg Günther von allen genannt wird, fährt regelmäßig mit seinen Maschinen auf die Rennstrecke und dort kann man so etwas nicht gebrauchen

Schon seit er denken kann interressiert er sich für Motorräder. Irgendwann hat er gemerkt, dass man die Power auf der Rennstrecke wesentlich besser und sicherer bewegen kann als auf der Strasse. 2008 hat er Angefangen mit einer Aprilia Mille im Seriensport Rennen zu fahren. Es ist nicht der Nervenkitzel, der in reizt an den Rennen teilzunehmen, viel mehr ist es die totale Konzentration und die optimale Zusammenarbeit mit der Maschine um das Maximum herraus zu holen. „Mit dem Motorrad werde ich im Rennen zu einer Einheit, man ist in seiner eigenen Welt“schwärmt er. Für ihn ist dieser Sport sein Ausgleich zum Alltag.

 

Die 750er Suzuki Challenge

2013 wurde dann das erste Mal die Suzuki GSX-R 750 Challenge ins Leben gerufen. In der darauffolgenden Saison hat sich Schorsi entschieden bei der Challenge mitzumischen. Die Challenge wird im Verbund mit der Superbike-IDM (Internationale Deutsche Meisterschaft) veranstaltet und dadurch hat man einen sehr hohen Sicherheitsstandard. Ausserdem teilt sich das Fahrerlager mit so einigen Profisportlern. Aber das ist Schorsi gar nicht so wichtig, für ihn ist es wichtiger, dass er sich im Starterfeld wohlfühlt. Bei einem Starterfeld, wo jeder mit dem Messer zwischen den Zähnen fährt, weißt du nie, wer dich vielleicht als nächstes von der Strecke räumt. Wirklich schlimme Unfälle hatte er noch nicht gehabt und das sollte auch so bleiben. Die GSX-R Challenge wird von einigen auch als die Gentlemen Challenge bezeichnet. Es ist mehr wie eine große Familie. Man hilft sich, wenn mal Probleme am Moped sind; Tipps und Tricks für die optimale Linie auf der Rennstrecke werden gerne geteilt. Im Vordergrund steht auf jeden Fall der Spaß an diesem doch manchmal sehr gefährlichem Sport. Das bestätigt auch Peter Bales, der Promoter der GSX-R 750 Challenge. Wer in die Challenge will, muss sich bei ihm vorstellen. Wenn Peter den Eindruck hat, der Bewerber passt nicht in seine Familie, fährt er nicht mit. Ist die Musik nachts zu lange an, gibt es am nächsten Tag klare aber freundliche Worte von ihm. Sicherheit ist wichtig und dazu zählt eben auch, dass die Fahrer ausgeschlafen sind. Immerhin stellt die GSX-R Challenge mit ihren 46 Teilnehmern das größte Starterfeld bei der IDM.

Keine guten Erinnerungen

An diesem Wochenende ist die finale Veranstaltung auf dem Hockenheimring – also auch für die 750er Challenge das letzte Rennen in dieser Saison. Normalerweise ist dies nicht gerade Schorsis Lieblingsstrecke. Die paar Male, die er hier schon gefahren ist, wecken keine guten Erinnerungen. Er erinnert sich nur an Regen und Crashs. Aber dieses Jahr sieht das Wetter gut aus und er ist optimistisch, dass er sich noch mit der Strecke anfreundet. Am Freitag ist das erste Training gleich um 9.00 Uhr morgens, die Meisten sind schon am Donnerstag angereist. Am Abend wird beim gemeinsamen Grillen mit Freunden über den aktuellen Stand der Dinge diskutiert, verheilte und nichtverheilt Verletzungen von den letzten Crashs sind dabei auch ein großes Gesprächsthema. Am Freitag heißt es, zeitig aufstehen, denn es ist doch schon sehr kalt morgens, weshalb die Reifenwärmer frühzeitig aufgezogen werden müssen. Die Slicks (Rennreifen ohne Profil) müssen eine Temperatur von über 80 Grad erreichen um genügen Grip auf der Strecke zu haben. Zwei Trainings und die technische Abnahme stehen für Freitag auf dem Plan. Mit den bisherigen Zeiten aus den beiden Trainings ist Schorsi auch schon recht zufrieden, trocken lässt es sich eben doch besser fahren. Aber bevor es am Samstag in die beide Qualis geht, müssen erstmal neue Reifen drauf. Ein Standardprozess für jeden Fahrer. Die Griffe erfolgen schon fast wie von alleine. Dabei ist es wichtig, immer eine feste Abfolge von Schritten festzulegen und sich jedes Mal daran zu halten, denn ein Fehler wäre fatal. Mit einem Hinterreifen fährt Schorsi ungefähr 45 Runden, das sind ca. 170 km, danach sind keine schnellen Zeiten mehr möglich. Während der Saison verbraucht er ungefähr 25 Hinterreifen und 10 Vorderreifen.

Kein Grip im Qualifying

Am Samstag geht es dann mit frischen Slicks in das erste Qualifying, jedoch bricht Schorsi schon nach 15 Minuten ab. Die anderen fahren ihm zu unkonzentriert, das Risiko eines Sturzes ist ihm zu hoch. Er will sich lieber voll auf das zweite Quali konzentrieren und überlegt nochmals neue Reifen draufzuziehen, entscheidet sich aber dagegen. Eine Entscheidung, die er nach dem zweiten Quali bereut. Auch hier hat er wieder frühzeitig abgebrochen, der Reifen ist nur noch gerutscht- keine Chance schnelle Zeiten zu fahren. Daher nur Startplatz 26. „Verdammt, da wäre mehr drin gewesen“, ärgert er sich. Gleichzeitig wundert er sich aber auch, dass der Reifen so schnell schon keinen ordentlichen Grip mehr hatte, evtl. mal das Fahrwerk von einem Experten überprüfen lassen. Und tatsächlich, das Fahrwerk war etwas zu weich eingestellt. Den Reifen kann er ruhig für das erste Rennen morgen nehmen, empfiehlt ihm der Experte. Aber Schorsi will das Maximum rausholen, da muss wieder ein neuer Reifen drauf.

Das letzte Rennen der Saison

Am Sonntag stehen endlich die beiden Rennen an. Schorsi ist entspannt und freut sich schon. Rennen liegen ihm wesentlich mehr als die Qualis. Dass er nicht unter den Top 20 startet, stört ihn auch nicht mehr, da er beim Start immer sehr gut wegkommt

„Beim Start gebe ich alles, die ersten 2-3 Runden sind dann immer viel Gerangel und es ist teilweise etwas eng, aber wenn du dich ein bisschen was traust, kann man viele Plätze gut machen“, sagt er. So ist es dann auch. Schon beim Start schießt Schorsi an den ersten 5-6 Fahrern vorbei. Im Laufen des Rennens kann er sich bis auf Platz 17 vorkämpfen. Der neue Reifen und die Fahrwerkseinstellung haben sich gelohnt.

Für das nächste Rennen macht Schorsi gleich nochmal einen neuen Reifen drauf. Kein Risiko mehr.

Auch beim letzten Rennen erwischt er einen guten Start, obwohl es mit einer sehr langen Rotphase ein schwieriger Start war. Bis auf Platz 13 kommt er dieses mal sogar ran. nimmt dann in den letzten Runden aber das Gas raus, um keinen Sturz zu riskieren. Hätte er gewusst, dass er so weit vorne ist, hätte er nochmal etwas mehr riskiert, aber leider fehlt ihm da jemand in der Boxengasse, der ihm über eine Tafel die aktuelle Position mitteilt.

Die Freude ist groß, immerhin 13 Plätze gut gemacht. Ein guter Saisonabschluss mit super Wetter. Zufrieden werden die Zelte abgebrochen und das Motorrad aufgeladen. Das war es für dieses Jahr mit Rennen, alles heile geblieben: Körper sowie auch das Motorrad – das ist das Wichtigste.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei Schorsi bedanken, dass er mich mitgenommen hat und es mir so ermöglicht hat diese tolle Leidenschaft festzuhalten. Auch bei der trends&fun möchte ich mich bedanken, ohne die es mir nicht möglich gewesen wäre Fotos an der Strecke zu machen. Richtig stolz bin ich dass das ganze dann sogar noch in dem Magazin erschienen ist. Der Artikel sah dann so aus. Vielen Dank auch an die Challanger die mich sofort in ihre Familie aufgenommen haben, ich wünsche euch viel Spass und Erfolg in der nächsten Saison.

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